Letzte Woche präsentierte Staatssekretär Josef Schellhorn (NEOS) sein erstes Entbürokratisierungspaket – ein Maßnahmenbündel, das Österreichs Verwaltungsaufwand spürbar reduzieren soll. Obwohl Schellhorn den Vorschlag selbst als „keinen großen Wurf, aber einen ersten Schritt“ bezeichnete, könnte dieser Schritt weitreichende Erleichterungen für Betriebe und Bürger:innen bringen.
Warum Entbürokratisierung jetzt so wichtig ist!
Österreich hat ein massives Bürokratieproblem:
- 56.000 Paragrafen sind derzeit in Kraft.
- 222 Tage dauert eine Genehmigung im Schnitt.
- 15 Milliarden Euro kostet die Bürokratie jährlich – Geld, das Betrieben fehlt, um zu wachsen und zu investieren.
Über Jahrzehnte hinweg hat sich ein undurchsichtiger Bürokratiedschungel entwickelt. Doppelgleisigkeiten, komplizierte Verfahren und unnötige Nachweise prägen den Alltag vieler Unternehmen – auch in Oberösterreich. Genau hier soll das neue Paket ansetzen.
Warum Entbürokratisierung jetzt so wichtig ist!
Nach seinem Amtsantritt im März richtete Schellhorn eine zentrale Entbürokratisierungsstelle ein und bat die Bevölkerung um Vorschläge. 4.000 Einsendungen gingen ein.
Nun wurden davon die ersten 113 konkreten Maßnahmen vorgestellt – mit Fokus auf:
- Bevölkerung: weniger Papier, weniger Wege
- Wirtschaft: schnellere Genehmigungen, weniger Dokumentationspflichten
- Verwaltung: klarere Zuständigkeiten, moderne Abläufe
Weitere Schritte sollen folgen.
Die wichtigsten Maßnahmen für Unternehmen
1. Modernisierung des AVG bei Großverfahren
Start: 1. Jänner 2026
→ Verfahren sollen schneller, übersichtlicher und digitaler werden.
2. Höhere Buchführungsgrenzen
→ Anhebung von 700.000 Euro / 1 Mio. Euro auf 1 Mio. Euro / 1,5 Mio. Euro.
3. Englischsprachige Unterlagen werden anerkannt
→ Keine teuren Übersetzungen mehr notwendig.
4. Genehmigungsfreiheit für Photovoltaik & E-Ladestationen
→ Wichtiger Schritt für Energieunabhängigkeit und Standortattraktivität.
5. Wegfall der beglaubigten Konzessionsurkunde im Gütertransport
6. Digitales Gästeverzeichnis in der Hotellerie
7. One-Stop-Shop für Bau- und Betriebsanlagen
→ Alle Verfahren zentralisiert im Wirtschaftsministerium.
8. Bundesweiter digitaler One-Stop-Shop für Förderungen
9. „Gisa Express“
→ Gewerbe sollen sofort digital angemeldet werden können.
10. Standard Audit File (SAF-T)
→ Standardisierte elektronische Übermittlung von Rechnungswesendaten.
11. Vereinfachungen bei Lohnverrechnung & Arbeitnehmerveranlagung
→ Expertengruppen arbeiten an praxisnahen Lösungen.
Wie geht es jetzt weiter?
- Erste Erlässe treten sofort in Kraft.
- Verordnungen benötigen noch etwas Zeit.
- Gesetzesänderungen müssen durch den Nationalrat – die ersten Vorschläge gehen kommende Woche in Begutachtung.
SWV-Präsident Bernd Hinteregger: „Ein wichtiger Schritt für unsere Unternehmer:innen“
„Mit den vorgestellten Maßnahmen wird bisher unnötig komplizierten Abläufen ein Riegel vorgeschoben und die Arbeit unserer Unternehmer:innen deutlich erleichtert. Immer aufwendigere bürokratische Regeln, die belasten statt nützen, hemmen die Entwicklung und Umsetzung von Geschäftsideen.“
– Bernd Hinteregger, Präsident SWV Österreich
Auch der SWV OÖ begrüßt jede Initiative, die Verfahren beschleunigt, Kosten reduziert und Betriebe entlastet. Gerade in Zeiten hoher wirtschaftlicher Unsicherheit ist Entbürokratisierung ein entscheidender Standortfaktor – für regionale Unternehmen ebenso wie für Gründer:innen.