Die Bundesregierung hat im Rahmen der Budgetrede von Finanzminister Dr. Markus Marterbauer am 10. Juni 2026 das Doppelbudget 2027/2028 präsentiert. Ziel ist es, das Budgetdefizit zu reduzieren und Österreich aus dem EU-Defizitverfahren zu führen. Gleichzeitig wurden zahlreiche steuerliche und wirtschaftspolitische Maßnahmen angekündigt, die insbesondere Selbständige, EPU und KMU betreffen.
Wichtig: Bei allen nachfolgenden Punkten handelt es sich um angekündigte Maßnahmen. Die endgültige gesetzliche Umsetzung bleibt abzuwarten.
Warum wird das Budget angepasst?
Nach Angaben der Bundesregierung belastet die neuerliche Energiekrise infolge des Konflikts im Mittleren Osten den Staatshaushalt erheblich. Das Budgetdefizit soll daher bis 2028 auf 3 % des Bruttoinlandsprodukts gesenkt werden. Dafür sind Einsparungen und zusätzliche Einnahmen von rund 2,5 Milliarden Euro vorgesehen.
Das sind die wichtigsten Änderungen für Selbständige und Unternehmen
Senkung der Lohnnebenkosten
Eine der wichtigsten Ankündigungen für Arbeitgeber ist die Senkung des Dienstgeberbeitrags zum Familienlastenausgleichsfonds (FLAF).
- Senkung von 3,7 % auf 2,7 %
- geplant ab 1. Jänner 2028
Diese Maßnahme soll Unternehmen bei den Personalkosten spürbar entlasten.
Höhere Körperschaftsteuer für große Unternehmen
Für Unternehmen mit sehr hohen Gewinnen ist eine progressive Körperschaftsteuer vorgesehen.
- 24 % Körperschaftsteuer für Gewinne über 1 Million Euro jährlich
Für die überwiegende Mehrheit der kleinen und mittleren Unternehmen dürfte diese Änderung keine unmittelbaren Auswirkungen haben.
Einschränkung beim Gewinnfreibetrag
Der Gewinnfreibetrag soll künftig nicht mehr für den Ankauf von Wertpapieren genutzt werden können.
Gerade für viele Selbständige war diese Möglichkeit bisher ein wichtiges Instrument zur steuerlichen Optimierung.
Änderungen bei Immobilien
Geplant ist eine Reform der Immobilienertragsteuer.
Vor allem bei sogenannten „Altfällen“ sollen künftig höhere Steuern auf realisierte Wertsteigerungen anfallen.
Homeoffice-Pauschale fällt weg
Sowohl das Homeoffice-Pauschale als auch das Arbeitsplatzpauschale sollen gestrichen werden.
Für viele Selbständige und Arbeitnehmer könnte dadurch eine bisherige steuerliche Entlastung entfallen.
E-Autos bleiben grundsätzlich begünstigt
Auch ab 2028 sollen Elektrofahrzeuge gegenüber Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor steuerlich bevorzugt bleiben.
Geplant ist unter anderem:
- weiterhin kein Sachbezug
- NoVA-Befreiung bleibt bestehen
- Vorsteuerabzug bleibt erhalten
Änderungen bei der Sozialversicherung
Auch im Bereich der Sozialversicherung sind Anpassungen vorgesehen.
Höchstbeitragsgrundlage steigt
Die Höchstbeitragsgrundlage soll erhöht werden:
- 2027 um 150 Euro
- 2028 um weitere 50 Euro
Arbeitslosenversicherung wird vereinheitlicht
Der Beitragssatz soll künftig einheitlich 2,95 % betragen. Für bestehende Dienstverhältnisse ist eine mehrjährige Übergangsfrist vorgesehen.
Verstärkte Bekämpfung von Steuerbetrug
Die Bundesregierung plant mehrere Maßnahmen zur Bekämpfung von Steuer- und Sozialbetrug.
Dazu zählen unter anderem:
- strengere Regeln bei Luxusimmobilien
- bessere Erfassung von Krypto-Einkünften aus dem Ausland
- verschärfte Maßnahmen gegen NoVA-Betrug
- stärkere Kontrollen bei Scheinfirmen
- Anpassungen bei der Wegzugsbesteuerung
Familien und Pensionen
Auch Familien und Pensionisten sind von den Budgetplänen betroffen.
Geplant sind unter anderem:
- keine Valorisierung der Familienbeihilfe und des Kinderabsetzbetrags im Jahr 2028
- Anpassungen beim Familienbonus
- Ausbau kostenloser Kinderbetreuung
- Pensionen sollen zwar nicht gekürzt, jedoch unterdurchschnittlich erhöht werden
Investitionen trotz Sparkurs
Neben Einsparungen kündigt die Bundesregierung weiterhin Investitionen in zentrale Zukunftsbereiche an:
- Bildung
- Pflege
- Forschung
- Industrie
- erneuerbare Energien
- Digitalisierung der Verwaltung
- Künstliche Intelligenz
Fazit für Selbständige & KMU
Das angekündigte Doppelbudget enthält sowohl Entlastungen als auch zusätzliche Belastungen für Unternehmen.
Positiv hervorzuheben ist insbesondere die geplante Senkung der Lohnnebenkosten. Gleichzeitig bringen die Einschränkung des Gewinnfreibetrags, die Streichung des Homeoffice-Pauschales sowie Änderungen bei der Immobilienbesteuerung neue Herausforderungen mit sich.
Da es sich derzeit ausschließlich um angekündigte Maßnahmen handelt, bleibt abzuwarten, in welcher Form diese tatsächlich beschlossen werden.
Der Sozialdemokratische Wirtschaftsverband Oberösterreich verfolgt die weitere Entwicklung genau und informiert seine Mitglieder laufend über alle relevanten Änderungen für Selbständige, EPU und KMU.