Distanzhandel auf Rekordniveau
Der sogenannte Distanzhandel – dazu zählt nicht nur der Onlinehandel, sondern auch Katalogbestellungen oder Teleshopping – erzielte im vergangenen Jahr einen neuen Rekordwert von plus 14 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Bei den Einkäufen via Smartphone, dem Mobile Commerce, ist der Anteil gar um 28 Prozent gewachsen, schon im Jahr davor um 36 Prozent. Die Österreicher:innen gaben auf diesem Weg rund 12,5 Milliarden Euro aus, 1,5 Milliarden mehr als im Jahr davor. Im Vergleich dazu lag der Wert 2016 noch bei 7,3 Milliarden Euro. Zahlen, die kontinuierlich wachsen, Zahlen, die auch den stationären Handel stark belasten.
6 Millionen nutzen E-Commerce-Angebote
Die Ergebnisse der E-Commerce-Studie 2025, die vom Handelsverband (HV) in Kooperation mit der KMU Forschung Austria seit 16 Jahren veröffentlicht wird, stellen keine günstige Prognose in Aussicht. Auch die Pro-Kopf-Ausgaben waren so hoch wie noch nie: Im Durchschnitt gab jeder Österreicher 2.080 Euro für Onlineeinkäufe aus, 2024 waren es noch 1.840 Euro. Rund sechs Millionen Menschen nutzten das E-Commerce-Angebot. Etwas mehr als die Hälfte aller Ausgaben im Distanzhandel fließt ins Ausland ab, so der Bericht in der „Presse“. Allen voran dabei waren natürlich die Onlineplattformen Amazon, Temu oder Shein.
Umfrage der Wirtschaftskammer
Die EU wird mit über 4 Milliarden Paketen von chinesischen Onlinehändlern überflutet, davon landen rund 80 Millionen Pakete in Österreich, eruierte auch die Wirtschaftskammer. Eine repräsentative Umfrage zeigt zudem, dass 41 Prozent der Österreicher:innen in den letzten zwölf Monaten bei asiatischen Onlineplattformen eingekauft haben – die Kategorien passen gut zu den Sortimenten von Shein/Temu (Kleidung, Mode, Billigartikel). Manfred Zaunbauer, SWVÖ-Spartenobmann, weiß:
„Websites und Onlinehandel in Österreich sind seit Corona eine wichtige Stütze des regionalen Handels geworden – und das in allen Branchen. Er ergänzt den stationären Handel, macht ihn sichtbarer. Gerade für die kleinen Unternehmen ist es wichtig, vermehrt Präsenz zu zeigen.“
– Manfred Zaunbauer, Präsident SWV OÖ
Österreich hinkt hinterher
Leider haben bis heute 70 Prozent der österreichischen Händler:innen keine Website, geschweige denn einen Onlineshop.
„Wir sind hier Entwicklungsland und müssen schnellstmöglich alles unternehmen, um diese Quote stark zu verbessern. Da ist auch die Wirtschaftskammer gefordert, einen Teil der Rücklagen für eine Digitalisierungsoffensive im Bereich E-Commerce verwenden zu können“, so Zaunbauer.
Für die digitalen Herausforderungen gäbe es bereits jetzt die Möglichkeit zur Lehre als E-Commerce-Kaufmann/-frau.
Kleine Betriebe als Erfolgsgaranten
Österreichs Wirtschaft lebt von den kleinen Betrieben.
„EPU und KMU sind unsere Erfolgsgaranten“, so Manfred Zaunbauer weiter.
„Seien es die kleinen Nahversorger und regionalen Betriebe in den ländlichen Gebieten, die für Arbeitsplätze und die örtliche Gemeinschaft unerlässlich sind, oder die Nischenbetriebe, die ihre speziellen Produkte auch außerhalb ihres Standortes erfolgreich verkaufen. Sie alle bieten die persönliche Beratung, das besondere Einkaufserlebnis und das Eingehen auf einzelne Wünsche. Dazu kommt eine zertifizierte Ware, die die Kundinnen vertrauen können. Und das ist im Onlinebilligsektor meist nicht der Fall. Vor allem nicht bei kleinen Paketen unter 150 Euro, die noch zollfrei sind.“
EU beschließt Maßnahmen
Die Zollfreigrenze existiert seit über zehn Jahren und sollte ursprünglich den bürokratischen Aufwand bei Kleinsendungen verringern. Das hat in den vergangenen Jahren zu einem exponentiellen Anstieg bei Lieferungen kleiner Warenpakete mit geringem Wert in die EU geführt. Laut EU-Kommission waren 2024 täglich rund zwölf Millionen Pakete aus Nicht-EU-Ländern in der EU angekommen – deutlich mehr als in den Jahren zuvor. 91 Prozent aller E-Commerce-Importe mit einem Wert von bis zu 150 Euro kamen 2024 laut Angaben der EU-Kommission häufig aus China.
Die Anbieter: Onlineplattformen wie Shein, Temu und AliExpress. Sie passieren bisher zollfrei und profitieren von weniger strengen Kontrollen. So wird nicht nur direkt an Konsumentinnen geliefert, ohne die in Österreich notwendigen Qualitätskontrollen zu durchlaufen.
Franzosen wehren sich
Ursprünglich hatte die EU-Kommission vorgeschlagen, die Zollfreiheit erst im Jahr 2028 abzuschaffen. Aufgrund der Menge an Paketen, die in die EU geliefert werden, protestierten viele Unternehmen. Am lautesten protestierte die Bevölkerung in Paris. Der chinesische Onlinehändler Shein eröffnete ausgerechnet im berühmtesten Kaufhaus von Paris seine erste Filiale in Frankreich – und empörte damit Bürgerinnen und Politiker:innen. Der Online-Riese erlebte in Frankreich weiteren starken Gegenwind. Mehrere Handelsverbände verklagten Shein wegen unlauteren Wettbewerbs. Das Geschäftsmodell von Shein basiere auf der Nichteinhaltung der in Frankreich geltenden Vorschriften, hieß es in einer Mitteilung. Etwa hundert Marken schlossen sich der Initiative an. Die Proteste gegen Shein richten sich auch gegen das Überschwemmen des europäischen Marktes mit extrem billiger Kleidung. Die Eröffnung des Geschäfts in Frankreich wurde auf unbestimmte Zeit verschoben.
EU beeilt sich diesmal
Handelskommissar Maroš Šefčovič schlug den EU-Finanzminister:innen im Herbst vor, die sogenannte De-minimis-Freigrenze bereits im ersten Quartal 2026 aufzuheben. Der geplante Zeitrahmen sei mit der Dringlichkeit der Situation unvereinbar, schrieb er den Finanzminister:innen. Diese Wettbewerbsverzerrung müsse unverzüglich beseitigt werden, keine Frage, dass auch Österreichs Finanzminister Markus Marterbauer sofort dafür votierte. Die Entscheidung folgt im Dezember in Brüssel.
„Wir als SWV haben schon lange gegen Temu, Shein & Co starkgemacht und freuen uns, dass das nun in absehbarer Zeit eingedämmt wird“, sagt Manfred Zaunbauer.
Dazu gehört auch unsere Ablehnung gegen die sogenannte Fast-Fashion-Ware. Diese billigen Einwegproduktionen, unter schlechten Bedingungen hergestellt, werden oft nur für eine Saison. Danach werden sie achtlos weggeworfen. Wie in Frankreich sollen auch wir uns entscheiden gegen diesen Billigsektor aufstellen. Weitere geplante Maßnahmen der EU sind: Hersteller:innen müssen für den Müll ihrer Kleidung zahlen (Erweiterte Herstellerverantwortung).
Dadurch wird Wegwerfmode deutlich teurer. Geplant sind weiters Mehrkosten pro Stück bei extrem schneller, minderwertiger Mode.
FAST FASHION
Billige Einwegproduktionen oft nur für eine Saison. Danach werden sie achtlos entsorgt. Wer denkt schon daran, unter welchen Bedingungen sie hergestellt werden?
Der SWV fordert weiters für die Eindämmung von Ramsch-Produkten:
Öko-Score & Umweltkennzeichnung:
Kleidungsstücke müssen mit Informationen über Umweltkosten, Recyclingfähigkeit, CO₂-Ausstoß etc. versehen werden.
Finanzielle Abgaben/Ökosteuer
Extra Steuer für besonders kurzlebige bzw. umweltschädliche Mode.
Werbe- & Marketingverbot
Angebote von Ultra-Fast-Fashion dürfen nicht mehr aggressiv beworben werden.
Bevollmächtigter in Österreich
Verpflichtung zur Ernennung eines in Österreich ansässigen Bevollmächtigten für ausländische Händler:innen. Dabei soll eine zustellungsfähige juristische oder natürliche Person benannt werden – damit Haftung, Kontrollen und Durchsetzung möglich sind.