Große Konzerne fair besteuern und Konsumenten entlasten – das klingt im ersten Moment richtig und wichtig. Doch bei der konkreten Umsetzung neuer Gesetze passiert leider viel zu oft dasselbe: Die Großen schlucken die Kosten oder geben sie weiter, während unsere EPU und Kleinstbetriebe im Handel den bürokratischen und finanziellen Frust ungebremst abbekommen.
Genau deshalb hat sich unser SWV-Bundesspartenobmann Handel, Manfred Zaunbauer, im Mai 2026 in einem dringenden Brief direkt an Vizekanzler Andreas Babler und Finanzminister Markus Marterbauer gewandert. Das Ziel: Ein echter Schutzschirm und rasche Nachbesserungen bei zwei brandaktuellen Themen, die sonst ab Sommer deine Existenz bedrohen könnten.
1. Die neue Paketsteuer: Warum sie die Kleinen statt Amazon trifft
Ab 1. Oktober 2026 kommt die neue Paketsteuer (PakStG). Sie richtet sich zwar offiziell nur an Riesen wie Amazon, Zalando oder Temu, die über 100 Millionen Euro Umsatz machen. Doch das Problem liegt im Detail: Rund 5.000 kleine Händlerinnen und Händler in Österreich nutzen genau diese Plattformen als ihren einzigen oder wichtigsten Vertriebsweg.
Die indirekte Kostenfalle: Sogar das Finanzministerium gibt zu, dass die Plattformen diese Steuer wohl einfach über erhöhte Verkäufergebühren an dich weitergeben werden.
Keine Verhandlungsmacht: Als EPU oder kleiner Händler musst du die höheren Gebühren (oft 1–2 Euro pro Paket) schlucken oder zusperren. Das frisst deine ohnehin schon knappen Margen komplett auf.
Wettbewerbsnachteil: Gegen billige Anbieter aus Asien hast du auf denselben Plattformen dann kaum noch eine Chance.
Unsere Forderung: Wir verlangen eine gesetzliche Transparenzpflicht für die Plattformen und einen handfesten Kompensationsmechanismus für Plattformverkäufer mit weniger als 1 Mio. Euro Jahresumsatz. Großkonzerne zur Kasse bitten? Ja, aber nicht auf deinem Rücken!
2. Die MwSt-Senkung ab 1. Juli: Gut gemeint, aber technisch schwierig
Die Senkung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel von 10 % auf 4,9 % ab 1. Juli 2026 soll eigentlich die Geldbörsen der Menschen entlasten. Für Kioske, kleine Bäckereien oder Würstelstände bedeutet sie im Alltag vor allem eines: puren Stress und hohe Kosten.
Das Dezimalproblem: Viele günstige Kassensysteme (wie Tablet-Lösungen unter 300 Euro) können technisch überhaupt keine Kommastellen wie 4,9 % verarbeiten. Updates gibt es oft nicht oder sie kosten richtig Geld.
Das Absurditäten-Beispiel: Der Linzer Bäcker Franz Brandl hat es auf den Punkt gebracht: Ab 1. Juli wird eine nackte Semmel mit 4,9 % besteuert, die Butter auch – aber ein fertig bestrichenes Buttersemmerl kostet weiterhin volle 10 % MwSt. Ohne IT-Abteilung musst du hunderte Artikel im laufenden Betrieb händisch zuordnen.
Die Kosten- und Straffalle: Die Umprogrammierung kostet dich zwischen 350 und 1.500 Euro. Wenn dann bei einer Finanzprüfung etwas falsch zugeordnet ist, drohen saftige Strafen. Und das alles unter enormem Zeitdruck bis zum Stichtag.
Unsere Forderung: Der SWV fordert einen unbürokratischen Fördertopf für die Umstellungskosten von Betrieben mit bis zu 5 Beschäftigten sowie eine straffreie Übergangsfrist von mindestens 60 Tagen für die Kassenumstellung.
Wie es jetzt weitergeht
EPU und Kleinstbetriebe sind keine Randerscheinung, sondern das echte Rückgrat unserer Wirtschaft! Jede neue bürokratische Last gefährdet direkt die Vielfalt in unseren Orten und Städten. Wir fordern deshalb ab sofort bei jedem neuen Steuergesetz eine verpflichtende KMU-Verträglichkeitsprüfung.
Wir bleiben für dich in Wien und den Regionen hartnäckig an den Verhandlungen dran und halten dich hier auf dem Laufenden, wie die Regierung auf unsere Forderungen reagiert.