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Bild: Unternehmensinsolvenzen in Oberösterreich

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399 Unternehmensinsolvenzen in Oberösterreich: Betriebe brauchen jetzt echte Entlastung

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Oberösterreich bleibt auf hohem Niveau: Im ersten Halbjahr 2026 wurden 399 Fälle verzeichnet. Für den SWV OÖ ist klar: Unsere Betriebe brauchen jetzt spürbare Entlastung, weniger Bürokratie und bessere Rahmenbedingungen für Investitionen und Beschäftigung.

Kennzahlen auf einen Blick

  • 399 Unternehmensinsolvenzen in Oberösterreich im 1. Halbjahr 2026 – ein Anstieg von 2,6 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum (389 Fälle)
  • rund 208 Mio. Euro Passiva
  • 223 eröffnete Insolvenzverfahren, 176 mangels Vermögen nicht eröffnet

Quelle: KSV1870, Unternehmensinsolvenzen 1. Halbjahr 2026, finale Auswertung vom 16. Juli 2026

Bild: OÖ Unternehmen brauchen echte Entlastung!

Die Lage: strukturell, nicht saisonal

Im ersten Halbjahr 2026 verzeichnete Oberösterreich 399 Unternehmensinsolvenzen. Von diesen Fällen wurden 223 Verfahren eröffnet, 176 konnten mangels ausreichender Vermögenswerte nicht einmal eröffnet werden – ein Hinweis darauf, wie viele Betriebe am Ende bereits substanzlos sind. Die Passiva summieren sich auf rund 208 Millionen Euro.

Der SWV OÖ sieht mehrere, gleichzeitig wirkende Belastungsfaktoren für kleine und mittlere Unternehmen:

  • Hohe Betriebskosten
  • Schwache Nachfragelage
  • Steigende Finanzierungskosten
  • Erhöhte Personalaufwendungen
  • Ein wachsender bürokratischer Erfüllungsaufwand, der zunehmend selbst zur eigenständigen Belastung wird

Zaunbauer: „Unsere Betriebe brauchen Luft zum Wirtschaften“

Für Manfred Zaunbauer, Präsident des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbandes Oberösterreich, sind die aktuellen Zahlen ein klares Signal für die Wirtschaftspolitik. Der SWV OÖ führt Zaunbauer aktuell als Landespräsidenten.

„399 Unternehmensinsolvenzen in nur einem halben Jahr zeigen deutlich, unter welchem Druck viele oberösterreichische Betriebe stehen. Unsere Unternehmerinnen und Unternehmer brauchen jetzt echte Entlastung, weniger Bürokratie und Rahmenbedingungen, die Investitionen, Beschäftigung und unternehmerischen Erfolg wieder erleichtern.“
Manfred Zaunbauer, Präsident SWV Oberösterreich

Bild: Manfred Zaunbauer vom SWVOÖ fordert echte Entlastung für Betriebe

Die Realität: Immer mehr Bürokratie statt Entlastung

Es darf niemanden wundern, dass Bürokratie und Pflichten für Betriebe permanent zunehmen – die vergangenen Wochen liefern dafür den Beleg, nicht die Behauptung.

Erst mit 1. Juli 2026 wurde die Mehrwertsteuer auf ausgewählte Grundnahrungsmittel von 10 auf 4,9 Prozent gesenkt, von der Regierung als Entlastung für Haushalte kommuniziert (rund 100 Euro pro Jahr und Haushalt). Für die Betriebe bedeutete die Umsetzung in der Praxis das Gegenteil einer Entlastung: Kassensysteme mussten technisch umgerüstet werden, Produkte wurden nach Fett- und Zuckergehalt neu eingestuft, allein im Lebensmittelhandel entstanden dadurch Umstellungskosten von rund 6 Millionen Euro.

Und es kommt nicht weniger, sondern mehr: Seit 2. August 2026 gelten die ersten Kennzeichnungs- und Transparenzpflichten für KI-Inhalte nach dem EU AI Act (Art. 50) – Chatbots, synthetische Medien und KI-generierte Texte müssen offengelegt und dokumentiert werden, mit Bußgeldern bis zu 15 Millionen Euro oder 3 Prozent des Jahresumsatzes. Mit 12. August 2026, also morgen, treten zusätzlich die zentralen Pflichten der EU-Verpackungsverordnung (PPWR, VO (EU) 2025/40) in Kraft: klare Rollenzuordnung, Registrierung in Systemen erweiterter Herstellerverantwortung, lückenlose Dokumentation von Material, Gewicht und Recyclingfähigkeit jeder Verpackung. Auch das trifft kleine und mittlere Betriebe unmittelbar, gerade jene, die ohnehin schon mit Personal-, Finanzierungs- und Energiekosten kämpfen.

Der SWV OÖ sieht darin ein strukturelles Muster: Jede angekündigte Entlastung wird an anderer Stelle durch neue Melde-, Kennzeichnungs- und Dokumentationspflichten wieder aufgehoben oder sogar überkompensiert. Wer Betriebe wirklich entlasten will, darf nicht nur Steuersätze verschieben, sondern muss den administrativen Gesamtaufwand senken.

Forderungen des SWV OÖ

SWV OÖ fordert konkrete Entlastungen

Aus Sicht des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbandes Oberösterreich braucht es jetzt Maßnahmen, die unmittelbar bei den heimischen Betrieben ankommen.

Lohnnebenkosten senken: Beschäftigung muss für Unternehmen wieder leichter finanzierbar werden. Eine gezielte Entlastung bei den Lohnnebenkosten mit Gegenfinanzierung hilft dabei, bestehende Arbeitsplätze zu sichern und neue Beschäftigung zu ermöglichen.

Bürokratie abbauen: Gerade EPU und kleine Unternehmen verlieren überproportional viel Zeit und Geld durch Verwaltungs-, Melde- und Dokumentationspflichten. Unternehmertum braucht weniger Formulare und mehr Zeit für das eigentliche Geschäft.

KMU-Finanzierung erleichtern: Wirtschaftlich tragfähige Unternehmen dürfen nicht an kurzfristigen Liquiditätsengpässen scheitern. Der Zugang zu Krediten, Haftungen und Förderinstrumenten muss insbesondere für kleinere Betriebe verbessert werden.

Investitionen fördern: Wer modernisiert, digitalisiert, Energie spart oder neue Arbeitsplätze schafft, muss gezielt unterstützt werden. Investitionen sichern die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Oberösterreich.

Regionale Vergaben stärken: Öffentliche Aufträge müssen im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten stärker bei regionalen Betrieben ankommen. Dafür brauchen unsere Gemeinden eine verlässliche und bessere Finanzierung. Nur so können Investitionen umgesetzt werden, die Wertschöpfung in Oberösterreich halten, heimische Arbeitsplätze sichern und unsere regionalen Klein- und Mittelbetriebe stärken.

EPU und kleine Betriebe besser absichern: Selbstständige tragen erhebliches unternehmerisches Risiko. Eine bessere soziale Absicherung kann verhindern, dass eine gesundheitliche Krise zur persönlichen Existenzbedrohung wird.

Bild: SWV Forderungen gegen hohe Unternehmensinsolvenzen

Oberösterreich braucht starke Betriebe

Oberösterreich ist ein starker Wirtschaftsstandort. Seine Stärke basiert aber nicht nur auf großen Industrieunternehmen, sondern vor allem auch auf tausenden kleinen und mittleren Betrieben, Familienunternehmen und Ein-Personen-Unternehmen.

Genau diese Unternehmen schaffen Arbeitsplätze, bilden Lehrlinge aus, investieren in ihren Regionen und sorgen dafür, dass Wertschöpfung vor Ort bleibt.

Die aktuellen Insolvenzzahlen dürfen deshalb nicht einfach als wirtschaftliche Statistik abgehakt werden. 399 Unternehmensinsolvenzen innerhalb eines halben Jahres sind ein Auftrag, die Rahmenbedingungen für unsere Betriebe konsequent zu verbessern.

Der SWV Oberösterreich setzt sich daher weiterhin für eine Wirtschaftspolitik ein, die Unternehmertum ermöglicht, statt es zusätzlich zu belasten.

Bild: Manfred Zaunbauer
Manfred Zaunbauer, Präsident SWV OÖ

Unsere Betriebe brauchen keine Durchhalteparolen. Sie brauchen echte Entlastung.

Fazit

399 Insolvenzen und 208 Millionen Euro Passiva in einem Halbjahr sind kein saisonaler Ausschlag, sondern das Ergebnis einer Kostenschere, die sich weiter öffnet. Solange jede Entlastungsmaßnahme neue Dokumentations- und Kennzeichnungspflichten nach sich zieht, bleibt am Ende beim Betrieb nichts von der versprochenen Erleichterung übrig. Der SWV OÖ fordert eine Wirtschaftspolitik, die das im Blick behält – und nicht nur einzelne Steuersätze verschiebt, während die Gesamtbelastung weiter steigt.

Quellen: KSV1870, Unternehmensinsolvenzen 1. Halbjahr 2026, finale Auswertung vom 16. Juli 2026. Für Oberösterreich werden 223 eröffnete, 176 nicht eröffnete und damit insgesamt 399 Fälle sowie rund 208 Mio. Euro Passiva ausgewiesen. 

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